Tourentipps für Anfänger II

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willkomm2000
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Tourentipps für Anfänger II

#1 Beitrag von willkomm2000 » So 7. Jul 2024, 22:09

Liebe Forumsfreunde. Nach meiner dritten Langtour mit jeweils ca 5000 schreibe ich hier in bunter Reihenfolge ein paar Tipps auf, die vielleicht dem einen oder andern bei der Planung ähnlicher Reisen hilfreich sein könnten. Als Überarbeitung meines Beitrags vor ein paar Jahren nach meiner esten Langtour

A. Bekleidung
Auch in der Vor- und Nachsaison ist es im Süden oft recht warm. Spitzenwert lag bei 36 Grad im Schatten, mehrheitlich hatten wir solide 25 Grad. Wir hatten uns bereits auf der ersten Tour für Motorradbekleidung entschieden. Genauer für luftdurchlässige Textilbekleidung mit großzügigen Mesh-Einsätzen. Alles von Germot, ich hatte eine Mesh-Jacke in Bauchgröße von der hier eher unbekannten französischen Firma Bering (Bering Razel). Die Bekleidung hat sich sehr bewährt. Für unterschiedliche Witterungsverhältnisse hatten wir uns auf das Zwiebelschalenprinzip festgelegt. Genauer in Verbindung mit Merino-T-Shirts eines eher hier unbekannten englischen kleinen Herstellers (http://blog.edzlayering.com/activities/motorcycle/). Das interessante an den Merino-Sachen: die müffeln auch nach einigen Tagen Gebrauch wirklich nicht, sind auch bei Hitze ultimativ angenehm zu tragen. Genial ist von denen auch die minimalistische Innershell-Jacke, ein Winzling aus einer Kunstfaser, die winddicht und wasserdicht sein soll. Winddicht haben wir geprüft und ohne Schwitzen darunter! Leider führt der Hersteller mittlerweile nur noch Merino-Sachen. Bestens bewährt hat sich die Motorradbekleidung auf der dritten Tour, weil es zum ersten Sturz mit meiner Vespa kam: Am frühen Morgen bei der Abfahrt vom Quartier gab es einen steilen Anstieg mit 90 Grad-Kurve. Aus ungeklärten Gründen (sauglatter Straßenbelag, Reifen kalt ohne Gripp?) lag ich auf einmal samt Vespa auf der Seite auf dem Asphalt. Auch Dank der Protektoren gab es nur ein wenig Aua an der Schulter, die Vespa hat va wegen des Gepäckrollen-Überstands keinen Kratzer bekommen. Glück gehabt.

B. Gepäck(befestigung) und Fahren mit Gepäck
Beide waren wir mit Gepäckrollen auf dem Sozius und dem Frontgepäckträger unterwegs. Von Büse und Ortlieb. Ich hatte hinten eine 49l-Rolle und vorne eine 31l-Rolle von Ortlieb. Vorne hat mir nicht gefallen, dass die Rolle in Verbindung mit dem FA-Frontgepäckträger das Scheinwerferlicht nach unten behinderte. War eigentlich nicht wichtig, aber in einigen stockdunklen Tunneln wäre etwas mehr Licht hilfreich gewesen. Auf der ersten Fahrt hatte ich die oft gelobte Moto-Detail-Tasche für den Durchstieg im Einsatz. Da sollten eigentlich wichtige Papiere, Wasserflasche und Spiegelreflexkamera rein. Mehr und mehr nervte mich die ohnehin schon etwas zusammengedrückte Moto-Detail-Tasche beim häufigen Anhalten und Absteigen. Irgendwann hab ich sie in den Koffer hinten verbannt. Schon auf der zweiten Fahrt hab ich auf die Tunneltasche verzichtet. Der Befestigungstest zwischen Gepäckspinne und Spanngurten ging ganz klar an die Firma Rokstraps. Die zeigen seit 7 Jahren keine Ermüdungserscheinungen. Besser und eleganter geht es nicht. Perspektivisch würde ich allerdings noch weniger Gepäck mitnehmen und eher häufiger waschen. 2 Rollen gehen gerade noch. Besser ist es, wenn man so packt, dass man ggf. eine Rolle bei einem sicheren Stellplatz nachts drauf lassen kann – und nur eine Rolle ins Quartier trägt. . Übrigens war ich bis zu der ersten Tour noch kaum mit Sozius und noch nie mit viel Gepäck gefahren. Vom Fahrverhalten meiner GTS hab ich kaum nennenswerte Änderungen bemerkt, kann allerdings auch daran liegen, dass die Vespa mit mir als Schwergewicht ohnehin ordentlich zu arbeiten hat, da haben die 20 kg vielleicht auch keine Rolle mehr gespielt. Puristen fahren meist mit deutlich weniger Gepäck, das ist Geschmacksache. Von Temperaturen von 40 bis 0 Grad (Alpen etc) einschliesslich Regenbekleidung braucht man m.E. aber schon etwas Platz. Die 2 Rollen-Lösung ist für mich jedenfalls ideal.

C. Routenplanung/Navigation und Kommunikation
Zuhause hatten wir die ersten zwei/drei Etappen über die Alpen ordentlich mit kurviger.de etc. geplant. Die grobe Route hatten wir anhand traditioneller Landkarten / Reiseführer und auf Basis einiger Ziele, die wir unbedingt ansteuern wollten, festgelegt.Als Merker hatte ich dann eine Karte erstellt, auf der wir ab und zu nachgeschaut haben. Guckst du ggf hier: https://www.google.com/maps/d/u/0/edit? ... sp=sharing Basis für die weitere Planungen waren immer Karten, die landschaftlich schöne Strecken auswiesen. Die Feinplanung haben wir dann jeden Abend erledigt. Nachdem wir gemerkt hatten, dass eher 250 km für uns schöne Tagesetappen sind (Abfahrt 10:00 h, Mittagspause, Kaffeepause, Ankunft jeweils 17-19:00, diverse Fotostopps) haben wir uns abends auf eine Strecke für den nächsten Tag anhand der Karten festgelegt und sie ins Navigationssystem übertragen. Die beiden letzten Touren haben wir komplett mit TomTom Go navigiert. Das das Übertragen der Touren etwas mühsam ist, haben wir jeden Abend die Tour für den nächsten Tag separat eingegeben – und solange Zwischenziele eingegeben, bis der geplante Tourverlauf passt. Zusätzlich verwendeten wir in unseren Helmen das nostalgische Nolan B3-Communicationssystem. Das war ein nettes Feature, weil wir uns den ganzen Tag unterhalten konnten, sei es um ein wenig Blödsinn zu erzählen oder uns auf irgendwas interessantes hinzuweisen, oder um vor voreiligen Verkehrsteilnehmern zu warnen. Das war klasse. Arbeitete auf der dritten Tour einwandfrei. Seit der zweiten Tour navigiere ich übrigens mit einem Alt-Smartphone und fotografiere mit dem aktuellen Smartphone.

Sehr gute Dienste hat uns übrigens die völlig problemlose App Geo Tracker - GPS tracker geleistet. Super Tool. Kostenlos. Liefert super Daten und Karten. Läuft problemlos, liefert Karten und statistische Anzeigen.

D. Unterkünfte
Völlig unproblematisch war das Buchen der Unterkünfte von einem Tag auf den anderen. Unsere Lieblings-App war dabei booking.com, die wirklich sehr komfortabel ist. Einige Male waren wir auch bei Agritourist-Betrieben zu Gast. Gern haben wir auch direkt gebucht, war aber manchmal schwierig, weil keine Website vorhanden oder Sprachprobleme. Bei Buchungsportalen hat es sich bewährt nur für eine Nacht zu buchen, um ggf. direkt vor Ort nach dem Verlängerungspreis zu fragen. Interessant war, dass auf unseren beiden Smartphones bei der Unterkunftssuche im selben Portal unterschiedliche Preise angezeigt wurden. Ein Tipp für die Nachsaison aus unserem ersten Fahrterlebnis: Einige Male war es uns passiert, dass wir ein Bed&Breakfast gebucht hatten. Abends stelle sich dann heraus, dass weit und breit kein Restaurant mehr geöffnet war. 5 km Fußmarsch war da unsere längste Prüfung. Da haben wir später mehr drauf geachtet, entweder Unterkunft mit Abendessen oder nachweisbare Lokale in der Nähe.

E. Alpenpässe fahren
Auf diesen Part war ich ja auf der ersten Tour besonders gespannt, da ich weder Tourenerfahrung noch Alpenpasserfahrung hatte. Da kann ich eigentlich allen die Angst nehmen, die unsicher sind: Wer anständig Kurven fahren kann mit ein bisschen Drücken und Legen, der kann auch problemlos Alpenpässe fahren. Auf der letzten Tour hatte meine GTS ein paar Probleme am Berg, da war ich eben 5 oder 10 km/h langsamer.. Aber spielt alles eigentlich keine Rolle. Immer noch 5 x schneller als die Radfahrer 😊 Seit den albanischen Alpen etc. kann mich da eigentlich nix mehr erschüttern.

F. Verbotene Straßen in Italien als Geheimwissenschaft
In Italien dürfen Motorräder ja erst ab 250 ccm auf die Autobahn, auch einige Superstradas haben streckenweise ein Verbot für Motorräder unter 125 ccm. Leider nach einem etwas undurchschaubaren System, was man vorher nicht wirklich durchdringen kann. Vespenfan hatte sich ja hier im Forum schon mal mit der Thematik intensiv beschäftigt :-) Gab hier im Forum vor Jahren schon mal eine umfassende Diskussion zu dem Thema - auch mit dem Versuch eine Karte zu erstellen. Das Projekt ist aber m.E. stecken-geblieben. Guckst du ggf. hier: viewtopic.php?f=23&t=40110&hilit=superstrada#p563981 Beispiel: Durch Milano sind wir Schuss gerade durch die Stadt gefahren, dann auf eine breite Ausfallstraße Richtung Norden/Comer See. Nirgends sind wir an einem Verbotsschild für Motorräder vorbeigekommen. Erst kurz vor dem Comer See merkten wir, dass an den Auffahrten Hinweisschilder standen, dass es sich um eine Autobahn handelte, die erst ab 250ccm freigegeben war. Ähnliches war uns einige Male passiert. Wir sind dann auch schon mal 50 km bewusst auf der Autobahn geblieben, weil wir keine Alternative so schnell hatten....Hätte sowieso keiner gemerkt, da die große GTS Karosse mit 125 ccm in Italien eher selten oder nicht vorhanden ist.


G. Fahren in (Süd)italien
Darauf war ich auch sehr gespannt, weil ich das schon viele vermeintliche Schauergeschichten gehört hatte. Haben sich alle nicht bewahrheitet. In Italien gibt es neben den Autobahnen relativ viele Geschwindigkeitsbegrenzungen auf 30, 50 oder 70 km/h. In Nord- und Mittelitalien halten sich die meisten Verkehrsteilnehmer ziemlich genau daran. Gerast wird ohnehin nicht – auch nicht in Süditalien. Eher entspanntes Fahren mit 80 – 100. In Süditalien fährt man die mit dem Auto aber immer, egal welche Geschwindigkeitsbegrenzung besteht. Ab Mittelitalien werden tatsächlich auch rote Ampeln ignoriert, wenn sich der Sinn nicht unmittelbar erschließt. Irgendwann passt man sich dann auch mit der Vespa an, einige Male hatte mir mein Kollege über den Helmfunkt mitgeteilt, dass hier eigentlich 30 km/h vorgeschrieben wären, wir aber 80 auf dem Tacho hatten. Die Straßen sind in Süditalien und Sizilien nicht schlechter als in Nord- und Mittelitalien. Die schlechtesten Straßen mehrheitlich haben wir in der Toskana vorgefunden. Die schlechteste Straße gab es auf Sizilien, dort fiel mit das Nummernschild ab in einem bösen Schlagloch. Da man nie weiß, ob gleich eine böse Bodenwelle oder ein tiefes Schlagloch kommt, kann man auf den meisten Straßen auch nicht wirklich schnell fahren. Waren die Straßen schlecht, waren wir mit 50/60 unterwegs, waren sie vermeintlich besser vielleicht mit 80/90 km/h – aber immer aufpassen. Die italienischen Verkehrsteilnehmer sind deutlich rücksichtsvoller als unsere Landsleute. Selbst in den chaotischsten Kreisverkehren in der Großstadt hat es nicht eine ernsthafte Bedrängung oder gefährliche Situation gegeben. Höchstes Lob an die Italiener. Optisch wirkt es aber oft von außen sehr chaotisch. Wir haben übrigens ungefähr 1000 km in Italien gebraucht, um uns den dortigen Rollerverhältnissen anzupassen. Ich war bis dato noch nie an einer Autoschlange links oder rechts vorbeigefahren. Das klappt jetzt tadellos. Weil die Italiener jeweils auch Platz machen, wenn man einscheren will oder muss, weil es eng ist. Wer unserer Fahrt nochmal nachlesen will, findet sie hier:

H. Hilfreiches Zubehör
Woran man eher nicht so denkt, was man noch so mitnehmen könnte. Sehr bewährt hat sich:
- Ein Dreifachstecker mit Verlängerung, wenn man im Quartier einen Steckdosenunterschuss hat, um Helme und Smartphones zu laden
- Gepäckschlösser mit Spiralkabel: Um das Gepäck bei kleinem Stopp zu sichern, wenn man das Fahrzeug nicht im Blick hat. Hilft natürlich nur gegen den Gelegenheitsdieb.
- Helmschloss: Wie oben: zum Sichern des Helmes am Fahrzeug beim Zwischenstopp.
- Ein kleines Werkzeugset für Motorräder wurde auch mitgeführt, wurde aber nie gebraucht 😊
Wer unser Touren nachverfolgen will, findet sieh her. Der Google-Blogger, den kaum noch jemand verwendet ist etwas gewöhnungsbedürftig von der Bedienung. Funzt aber einwandfrei und easy va wenn man ohnehin in der Android-Welt unterwegs ist. Der letzte/jüngste Beitrag steht immer oben. Will man weiter/zum Anfang gehen muss man auf der ersten Seite recht weit unten auf „ältere Posts“ klicken.

Wer unsere Touren angucken will, findet sie hier.

http://italalia2017.blogspot.com/
https://albanien2022.blogspot.com/
https://italalia2024.blogspot.com/

gruss aus ostwestalen
klaus
Zuletzt geändert von willkomm2000 am Mo 8. Jul 2024, 13:15, insgesamt 2-mal geändert.

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Re: Tourentipps für Anfänger II

#2 Beitrag von Mike Yankee » Mo 8. Jul 2024, 05:15

Grüß Dich Klaus,

vielen Dank für Deine, sicher wertvollen Tipps für Einige weniger Erfahrene unter uns!

Weil ich vor kurzem auch eine größere Strecke über Italienische Autobahnen zurück legen musste, hatte ich mich ebenfalls informiert und würde, Deine Zustimmung voraussetzend, Deinen Punkt F, wie folgt ergänzen:

„Was gilt auf der Autobahn?
Die Benutzung von Autobahnen und Schnellstraßen ist für Kleinkrafträder und Motorräder mit einem Hubraum von weniger als 150 ccm verboten. Das Verbot gilt auch für Motorräder mit Beiwagen mit einem Hubraum von weniger als 250 ccm.“
( Auszug aus dem Leitfaden des ADAC )

Gruß

MY

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Re: Tourentipps für Anfänger II

#3 Beitrag von willkomm2000 » Mo 8. Jul 2024, 13:17

Mike Yankee hat geschrieben:
Mo 8. Jul 2024, 05:15
Grüß Dich Klaus,

vielen Dank für Deine, sicher wertvollen Tipps für Einige weniger Erfahrene unter uns!

Weil ich vor kurzem auch eine größere Strecke über Italienische Autobahnen zurück legen musste, hatte ich mich ebenfalls informiert und würde, Deine Zustimmung voraussetzend, Deinen Punkt F, wie folgt ergänzen:

„Was gilt auf der Autobahn?
Die Benutzung von Autobahnen und Schnellstraßen ist für Kleinkrafträder und Motorräder mit einem Hubraum von weniger als 150 ccm verboten. Das Verbot gilt auch für Motorräder mit Beiwagen mit einem Hubraum von weniger als 250 ccm.“
( Auszug aus dem Leitfaden des ADAC )

Gruß

MY
hallo my, danke für den hinweis. ich glaub das ist im detail hier und da noch komplizierter. fakt ist jedenfalls, dass man da auf diversen strassen nicht mit der 125 unterwegs sein darf. gab hier mal eine umfassende diskussion dazu im forum. hab die alte diskussion mal in meinen obigen beitrag aufgenommen.

gruss aus ostwestfalen
klaus

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